Schon seit einiger Zeit beschäftigt mich der Gedanke, wie Windows zusammen mit COP bzw. ganz allgemein im Fotojournalistenalltag funktioniert. Ich will nicht lange auf die Gründe für diese Idee eingehen. Jeder, der beruflich mit Apple zu tun hat, der kennt die Motivationen. Grundsätzlich ist es empfehlenswert, wenn es um Investitionen in einer Firma geht, persönliche Präferenzen zurückzustellen. Und genaugenommen betrifft das nicht nur geschäftliche Ausgaben. Um es vorwegzunehmen, diese geforderte Unvoreingenommenheit ist mir zuweilen sehr schwer gefallen. Aber Win10 macht es einem ja auch nicht einfach. Nicht so sehr wegen der Dinge, auf die es letztlich ankommt, sondern vor allem des Äußeren wegen. Man mag mir verzeihen, aber im Vergleich zu macOS ist Win10 nun mal potthässlich. Besonders nervend finde ich die Platzverschwendung durch den Fenster-Manager bzw. das aktuelle Fensterdesign. Wobei „Design“ hier ein unzweifelhafter Euphemismus ist. ...

Ich kann durchaus verstehen, dass Leute, die sonst nichts zu tun haben, als ihre Laptops in amerikanischen Systemrestaurants mit lausigem Kaffee zu zeigen, ihre Memoiren oder einen Vampirroman tippen, FB, Twitter und Instagram befüllen ... an dieser Stelle Windows für immer&ewig aufgeben. Wer dagegen Leistung benötigt, der kann sich das nicht so einfach machen. Windows bietet den unzweifelhaften Vorteil, dass es auf sehr unterschiedlicher Hardware läuft und es einen riesigen Zoo an Komponenten gibt, die leistungsmäßig und auch preislich miteinander konkurrieren. Man kann sich auf diese Weise ein eigenes System zusammenklicken, welches den konkreten Anforderungen entspricht und braucht nicht einen Pfifferling auf jährliche Keynoteversprechen geben.

Zur Zeit gibt es kein Apple-Notebook, das an meine Wunschkonfiguration heranreicht. Meine Forderungsliste war ungefähr folgende:
- Entspiegeltes Display, mindestens 15“
- Grafikkarte mit min 6GB, die von COP unterstützt wird
- moderner i7 Prozessor
- mindestens 32GB Speicher
- mindestens 1TB Festspeicher

Die (Maximal-)Konfiguration, die man bei Apple bekommt, kostet ca. 3,000EUR und sieht ungefaehr so aus:
- Touch Bar and Touch ID
- 2.9GHz quad-core 7th-generation Intel Core i7 processor, Turbo Boost up to 3.9GHz
- 16GB 2133MHz LPDDR3 memory
- 512GB SSD storage
- Radeon Pro 560 with 4GB memory
- Four Thunderbolt 3 ports
- Backlit Keyboard - US English

Die Konfiguration, für ca. 2,000EUR, für die ich mich letztlich entschieden habe, ist folgende:
. 15.6“ Full HD (1920 x 1080) IPS | non-glare | G-SYNC (nur mit i7-7700HQ)
. NVIDIA GeForce GTX 1060 | 6 GB GDDR5
. Intel Core i7-7700 | 2,90 - 3,90 GHz | 4 Kerne / 8 Threads | 6 MB Cache | 45 Watt
. 32 GB (4x8) DDR4 RAM Samsung | 2400 MHz
. SSD 500 GB M.2 Samsung 850 EVO
. HDD 500 GB Seagate Barracuda | 5400U/Min | 7mm
. Intel Dual Band Wireless-AC 8265 | inkl. Bluetooth 4.2
. 24M. Pickup&Return Garantie inkl. einem Geräte Check-Up
. Premium - Schnell-Reparatur innerhalb der halben Garantie-Laufzeit
. Microsoft Windows 10 Pro 64 Bit | Englisch
. Beleuchtete Multicolor Tastatur | US International
. Metall-Gehäuse
. 1x 6-in-1 Kartenleser
. 1x RJ45 Port (LAN)
. 2x USB-C 3.1 Gen2
. 3x USB 3.0 Type-A (1x powered)
. 2x Mini-DisplayPort 1.4 (unterstützt G-SYNC-fähigen Monitor)
. 1x HDMI 2.0 (mit HDCP)
. 1x 2-in-1 Audio (Headphone + S/PDIF Optical)
. 1x Line-Out
. 1x Mikrofoneingang

Die wesentlichen Unterschiede sind entsprechend: Ein ordentliches Display, doppelt soviel Arbeitsspeicher, doppelt so viel Festspeicher, Schnittstellen satt, eine voll von COP unterstützte Grafikkarte mit üppiger Ausstattung und ein ordentliches Care-Paket, für das nicht extra gelöhnt werden muss ... ja und natürlich 1kEUR weniger.

Nicht verschweigen sollte man, dass die Leistung sich auch im Stromverbrauch niederschlägt. Eine Batterieladung reicht für ca. 3 Stunden COP-Editing. Wenn man nur schreibt, hält der Akku ca. 4-5 Stunden. Das brutal-große Netzteil lädt das Gerät allerdings dann auch wieder in relativ kurzer Zeit. Die Batterie ist nicht verklebt – Schenker dazu: „Der Akku ist nicht verklebt, sondern lässt sich im Falle einer nachlassenden Kapazität (in ferner Zukunft) mit zwei Schrauben problemlos lösen und auswechseln.“

Natürlich sind technische Daten nicht das einzige Kriterium. Letztlich nützt das schönste Datenblatt nichts, wenn das Betriebssystem am Ende wieder alles einreißt. Und hier kommen wir zu einem wichtigen Problem. Windows ist außerordentlich populär. Das ist der wesentliche Grund, warum sich Schadsoftwarehersteller vor allem um diese Plattform kümmern. macOS ist zwar nicht sicherer, aber längst nicht so attraktiv wie Windows, wenn es darum geht, möglichst effizient Schaden zu verursachen und/oder illegal Geld abzugreifen. Für mich kam und kommt die Installation von irgendwelcher Antivirensoftware nicht infrage. Unter macOS habe ich die Leistung netto wie brutto, unter Windows müsste ich den Leistungsverlust durch Antiviren&Co. abziehen. U.U. nivelliert sich dann der Unterschied beider Systeme. Es gibt durchaus die Vorstellung, dass man für Windows doppelt so viele Ressourcen benötigt, um die echten oder vermeintlichen Helferlein zu kompensieren.

Für mich ist Windows nur eine Runtime für COP, Affinity, Hindenburg, Resolve, Viva Designer und Papyrus. Neben diesen ist noch Steam, ein Python-Entwicklungssytem und ein FTP-Client installiert. Wobei in diesem Fall Steam dazu dient, die von uns entwickelten Visual Novels zu testen ... also eher nicht zum Daddeln. Der FTP-Client ist notwendig, um Daten in Redaktionen zu spülen. Das System ist ausdrücklich nicht für Internet&Co gedacht.

Von links nach rechts: Pappyrus, Chrome, Thunderbird, COP, Resolve, Hindenburg, Viva, Affinity, Filezilla, Libreoffice, Putty, Steam, RenPy

Wenn man ein Windowssystem von der Stange kauft, dann kann man fast sicher sein, dass es mit allerlei Unrat zugemüllt ist. Das wollte ich mir von Anfang an nicht zumuten. Zum Glück gibt es Händler, die diese Käuferschicht ernst nehmen – Schenker ist einer von denen. Unglücklicherweise müllt auch Windows selbst sein Betriebssystem zu. Mit einem beherzten:
„Get-AppXPackage | Remove-AppXPackage
Get-AppXPackage -AllUsers | Remove-AppXPackage -AllUsers
Get-AppXProvisionedPackage | Remove-AppXProvisionedPackage“ wird man diesen gänzlich überflüssigen Kram wieder los. Man kann bzw. sollte das noch weiter treiben und auch OneDrive, Edge und Cortana verabschieden ... so gut es geht. Als Standardbrowser ist Chrome und als Standardemailclient ist Thunderbird bei mir installiert. Damit sind viele, jedoch längst nicht alle Vektoren für Schadsoftware blockiert. Es versteht sich von selbst, dass eMails mit Anhängen das nötige Misstrauen entgegengebracht wird. Und sollten diese eMails aus unbekannter Quelle sein, dann ist das Löschen ohnehin die einzige Option. Ghostery, AdBlock und NoScript im Chrome sind ebenso obligatorisch.

Das System ist damit immer noch immer nicht 100% sicher, aber m.E. für diese Nutzung sicher genug. Als Backup-Lösung verwende ich im Moment die windowseigene time-machine-artige Lösung, die zwei weitere Festplatten bespielt. Das ist nicht optimal und bedarf natürlich dringend einer Änderung, aber bislang habe ich nichts wirklich Überzeugendes gefunden. Meine Anforderungen an eine Backuplösung sind ungefähr wie folgt: vollautomatisch, 2x redundant, offline, kein Abo, Ausfallvorwarnsystem, einfache Rückspiellösung für Dateien, Bootmöglichkeit ...

Wenn man COP unter Windows öffnet, fällt als erstes der etwas verunglückte Bildaufbau auf. Sicher, das ist völlig nebensächlich, verstärkt aber den Eindruck vom Windows als hässliches Entlein. Ob daran nun PhaseOne oder MS die Schuld hat, ist mir völlig egal. Wär ich PhaseOne, würde ich das Problem beheben, denn der erste Eindruck ist nun mal der Entscheidende.

COP baut sich beim Start lego-maessig auf.

Um COP ein bisschen zu fordern, habe ich einen Katalog mit ca. 45,000 Bildern angelegt. Die Bilder wurden von einer externen HD via USB eingelesen und befinden sich intern ebenfalls wieder auf einer HD (nicht SSD). Das Einlesen hat ca. 3 Stunden gedauert und die Berechnung der Vorschauen (2560px) dann nochmal 13h. Da man das nicht jeden Tag macht, sind die Zeiten zu verschmerzen. Etwas eigentümlich verhält sich COP, wenn man diesen Katalog öffnet. Es dauert tatsächlich 5(!) Minuten, bis die Datenbank vollständig mit allen Vorschauen geladen ist. Wenn man permanent mit nur einem Katalog arbeitet und diesen auch nicht ständig öffnet und schließt, kann man damit gut leben ... im anderen Fall legt dieses Innehalten Wutpotential frei. Da ich einen hybriden Workflow (erst Session → später Katalog) habe, komme ich damit klar. Wer dagegen auf mehrere große Kataloge setzt, der sollte diese Entschleunigung beachten. Hier wünschte ich mir die Engine von MediaPro in COP. Ich kann mir gut vorstellen, dass für manch potentielle COP-Nutzer diese Startuppause ein Ausschlusskriterium ist.

Ist erst mal alles geladen, geht die Arbeit jedoch sehr schnell von der Hand. Völlig egal ob Farbbalance, Ebenenbearbeitung und diverse Korrekturen: COP rast. Wenn man an diesem Punkt angekommen ist, dann fragt man sich, warum man sich überhaupt solange mit dem schwachbrüstigen Apples abgegeben hat ... Wie auch bei macOS, springt unter Win10 der Lüfter beim Staubstempeln und exzessiven Masken an. Dies deutet auf eine lausige Programmierung hin. Zumal die Beschränkung auf 100 Staubkörner nicht nur albern, sondern auch unzeitgemäß ist. Gerade bei Bildern von Rückteilen oder analogen Bildern, habe ich oft viel mehr Punkte zu korrigieren. Das führt dazu, dass man unter COP viel häufiger einen Roundtrip zu einer EBV machen muss, als man dies evtl. in LR tun müsste.

Auf dem Win10-System habe ich natürlich keine Adobe-Software mehr. Als Satzprogramm dient Viva-Designer und für die EBV verwende ich Affinity. Der Roundtrip zu Affinity erfolgt in aller Regel über ein Rezept mit 16Bit TIFF, 9600dpi. Ich habe zum Test einzelne 4x5“-Negative als ein 9er-Panorama mit COP (Liveview) abfotografiert (je 120MB), dann in Affinity zusammengenäht, ins Positiv konvertiert und wieder zurückgespeichert. Allein das alles ist in ca. 1min erledigt. Will man noch die Staubflecken, Kratzer und andere Problemzonen entfernen, braucht man entsprechend länger. Affinity hat bei dieser Prozedur nicht einmal gezuckt oder geruckelt. Das zeigt mir auch, wie überlegen neues Softwaredesign Uraltcodes ist. Hier sollte PhaseOne endlich mal alten Code wegschmeißen und neu schreiben. Ansonsten vergrößert sich dieses Problem immer mehr und auch immer dramatischer.

Wie gesagt, die Arbeit mit COP ist nun deutlich schneller geworden. Das betrifft die einzelnen Korrekturen mal weniger und mal mehr. Erstaunlicherweise geht auch das Herausspeichern viel schneller als früher. Das war mir bislang egal, da ich diese Zeit geplant hatte, aber ist dennoch erfreulich. Während der Bearbeitung oder dem Weiterblättern, Rein- und Rauszoomen kann ich keine Verzögerungen bei den üblichen 24Mpx-Bildern mehr feststellen. Auf leistungsärmeren Systemen verging z.B. nach dem Hineinzoomen noch eine 1/10 Sekunde, bis das Bild scharf war. Dieses Phänomen habe ich jetzt nur noch bei Scans oder Panoramen, die sich so jenseits der 500MB bewegen. (Ich weiss, für Lightroom-User ist das Jammern auf hohem Niveau ;-) ...) Ob dies nun der Grafikkarte oder dem Hauptspeicher geschuldet ist, weiß ich nicht. Allerdings ist es natürlich verlockend – wenn man erst mal Blut geleckt hat – den Speicher auf 64GB oder größer auszubauen. Eine Option, die man bei Apple nicht (mehr) hat.
Um hier ein kurzes Zwischenfazit zu bringen, ich arbeite mittlerweile lieber mit dem Win10-System mit COP als an einem relativ modernen MBP.

Wie oben beschrieben, sind neben COP noch weitere Programme auf dem Computer. Relevant in diesem Zusammenhang ist vor allem der VivaDesigner (früher InDesign), Affinity (frueher Photoshop), Resolve (früher FCPX) und Hindenburg.

Zu Viva will ich gar nicht viele Worte verlieren. Das Problem mit der Adobe Software ist allgemein bekannt und die CS6 Programme stellen mit jedem weiteren Apple-Update so nach und nach ihren Dienst ein. Viva ist möglicherweise nicht ganz so mächtig, was den Funktionsumfang betrifft, aber eine Zeitschrift, ein Magazin, Flyer, Broschüren etc. pp. bekommt man damit in altbewährter Weise gesetzt. Besonders schön ist, dass Viva auch die InDesign-Austauschdateien unterstützt. Das heißt eine Migration ist relativ schmerzlos.

Ähnliches gilt für Hindenburg. Da das Programm auch auf den Macs läuft, ist eine Migration ein Kinderspiel. Ursprünglich wurde Hindenburg für Windows konzipiert. Entsprechend gab es hier überhaupt keine Probleme bei der Umstellung. Insgesamt ist die Verzahnung mit dem OS etwas geschmeidiger als unter macOS, wo man u.U. Soundboard oder ähnliche Krücken verwenden musste.

Etwas schwerer wiegt es, für die tägliche Arbeit einen Ersatz für die Video-Bearbeitung zu etablieren. Adobe-Software schließt sich von allein aus. Der Avid Media Composer ist mir zu bullig, und auch die setzen vor allem auf Abos. Es gibt eine Kaufversion, die jedoch mit 1,300EUR zu Buche schlägt und bei der es nach einem Jahr keine Updates mehr gibt. Ob man dann wieder 1.3kEUR hinlegen muss, wenn man ein Update haben möchte, hat mich dann schon nicht mehr interessiert. Auch Resolve kommt mit einer sehr großen Funktionsvielfalt daher – mehr, als ich je benötigen werde. Preislich liegt Resolve Studio 14 (315EUR) mit FCPX (329EUR) ungefähr gleich auf. Allerdings gibt es auch eine kostenlose Version 14, mit der man bereits wunderbar arbeiten kann. Die Studio-Version unterstützt auch kollaboratives Arbeiten und kommt mit einer grosssen Zahl Plug-Ins daher.

Wer mit FCPX zurecht kommt, fuer den stellt Davinci Resolve 14 keine Huerde dar.

Wer bereits mit FCPX gearbeitet hat, der kommt mit Resolve sofort klar. Grundsätzlich gefällt mir Resolve besser und gerade die Tools fuers Color-Grading vermisst man in FCPX vollständig. Auf dem beschriebenen System arbeitet Resolve fluessig und ohne irgendwelche Probleme. Auch hier bin ich geneigt, Apple gänzlich zu ersetzen. Problematisch ist, dass ich bislang keinen Weg gefunden habe, wie man FCPX-Projekte in Resolve migrieren kann (Hinweise?).

Fazit: Der typische Arbeitsplatz eines Fotojournalisten mit Schreib-, Satz- und Audioprogramm, Raw-Editor und Videobearbeitung ist z.Z. aus verschiedenen Gründen auf Windowssystemen besser aufgehoben, als im aktuellen Applegarten. Man muss sich mit ein paar Unannehmlichkeiten arrangieren und es wird mehr gefordert, z.B. in Sachen Sicherheit, als man das unter macOS gewohnt war. Die Vorteile sind jedoch so überwältigend, dass meine Entscheidung diesbezüglich bzw. weitere Investitionen betreffend, gefallen ist. Das heißt nicht, dass ich nun alle Macs zum Recycling gebe. Ich hoffe insgeheim noch immer auf eine Re-Professionalisierung im Lifestyle-Konzern, aber der Selbstversuch hat mir gezeigt, dass die Alternative außerordentlich verlockend sein kann. (Btw, wir verwenden in der Agentur für das Office Ubuntu-Maschinen – eben vor allem auch wegen möglicher Angriffe über die bekannten Vektoren wie Dokumente, eMails usw. Eine heterogene Umgebung scheint mir heute mehr denn je geboten.)

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